Schadstoffberatung Tübingen

Pyrethroide

Pyrethroide sind Insektizide, die dem natürlichen Chrysanthemengift Pyrethrum nachgebaut sind, dem natürlichen Vorbild durch zahlreiche Veränderungen der chemischen Struktur inzwischen aber nur noch entfernt verwandt sind. Sie besitzen eine schnell einsetzende Kontakt- und Fraßwirkung gegen fast alle Insekten.

Die wichtgsten Pyrethroide sind Permethrin, Deltamethrin, Cyfluthrin, Fenvalerat, Cypermethrin und Tetramethrin.

Permethrin hat inzwischen Lindan als meistverwendetes Insektizid verdrängt.

Permethrin und Cyfluthrin werden auch für den vorbeugenden Schutz von Textilien gegen Motten- und Käferfraß eingesetzt. Teppichböden mit Wollsiegelqualität sind immer mit Permethrin behandelt, da die Vergabe des Wollsiegels an die Mottenschutzbehandlung geknüpft ist. Empfohlene Anwendungskonzentrationen betragen bis zu 100 mg/kg Teppich.

Für Pyrethroide liegen keine MAK- oder MRK-Werte vor.

Alle Pyrethroide werden als stark wassergefährend eingestuft.

Zentraler Angriffspunkt der Pyrethroide ist das Nervensystem. Akute Pyrethroid-Vergiftungen äußern sich in Reizerscheinungen der äußeren Haut und der Schleimhäute, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit. Symptome einer chronischen Pyrethroid-Vergiftung sind vor allem Störungen des Nervensystems wie Beeinträchtigung der intelektuellen Leistungsfähigkeit, Konzentrations und Gedächtnisstörungen, depressive Verstimmungen und Antriebslosigkeit.

Pyrethroide werden bei Aufnahme aus den meisten Körperorganen innerhalb einiger Tage wieder ausgeschieden. Die o. g. Wirkungen sind deshalb meistens nur von kurzer Dauer. Ein Nachweis im Körper kann nach dem derzeitigen Stand der Technik nur bei relativ hoher Aufnahme durch den Nachweis von Metaboliten im Urin erfolgen.

Der Hauptaufnahmeweg ist die Inhalation von Schwebstaub nach Anwendung von Sprays oder Elektroverdampfern und Anwendungen im Materialschutz. Es besteht aber auch die Möglichkeit der direkten Aufnahme durch Kontakt mit behandelten Oberflächen, Kleidung und Nahrung.

Da Pyrethroide sehr vielseitig eingesetzt wurden und werden, kann nicht immer genau festgestellt werden, woher das nachweisbare Permethrin stammt. Mögliche Quellen sind neben Holzschutzmitteln Pflanzenschutzmittel (und Sprays) gegen Insekten, die diesen Wirkstoff enthalten. Möglich ist auch das Vorkommen in Köderboxen oder ähnlichen Vorrichtungen zum Bekämpfen von schädlichen oder lästigen Insekten (Silberfischchen ...). Pyrethroide werden ebenfalls gerne bei Naturtextilien (Teppiche mit Wollsiegel u. a.) als Mittel gegen Schädlingsbefall eingesetzt. Hier können dann durch die meist große Fläche und den direkten Kontakt mit der behandelten Wolle Probleme auftreten.

Der Abbau von Permethrin und anderen Pyrethroiden erfolgt durch UV-Licht relativ rasch. Bei direkter Einwirkung von Sonnenlicht ist mit einem schnellen Abbau auf dem betroffenen Material zu rechnen.

Reinigungsmaßnahmen zur Beseitigung einer Kontamination zeigen nur bedingt Erfolg, da die Pyrethroide sehr gut an Oberflächen haften und mit der Zeit in den Staub übergehen.


Bewertung:

Die Grundbelastung für Pyrethroide im Hausstaub liegt unter 1 mg/kg (Orientierungswert), Werte ab 5 mg/kg deuten auf die Verwendung pyrethroidhaltiger Biozide hin.

Das Bundesgesundheitsamt geht (1992) bei Überschreitung des Orientierungwertes von einer nicht sachgemäßen Anwendungsform aus (Schädlingsbekämpfungsmaßnahme, Teppichausrüstung).

Zur Bewertung kann folgender Maßstab* zugrunde gelegt werden:

Pyrethroid-Konzentration

Bewertung

bis 3 mg/kg geringe Belastung
3 - 30 mg/kg deutliche Belastung
30 - 100 mg/kg hohe Belastung
über 100 mg/kg sehr hohe Belastung

Bei Holzproben liegt ab Pyrethroidgehalten von 5 mg/kg wahrscheinlich, ab 30 mg/kg sicher eine Behandlung mit einem entsprechenden Holzschutzmittel vor.

In Textilien bzw. Teppichfasern wird ab 10 mg/kg Pyrethroide von einer Ausrüstung gegen Motten- bzw. Käferfraß ausgegangen.

Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes ist vom Kauf oder der Verwendung von Teppichen oder Teppichböden mit vorbeugender Ausrüstung abzuraten. Beim Kauf sollte eine entsprechende schriftliche Bestätigung gefordert werden.

Problematisch ist die Tatsache, daß für die Vergabe des Qualitätszeichens "Wollsiegel-qualität" eine vorbeugende Motten- und Käferschutzausrüstung (meist auf Pyrethroidbasis) erforderlich ist.

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