|
Chemischer Name: gamma-Hexachlorcyclohexan, C6H6Cl6
Allgemein:
Lindan kommt, oft zusammen mit seinen Isomeren α - und β -Hexachlorcyclohexan (HCH) durch den jahrzehntelangen Einsatz als
Insektengift und Zusatz zu Holzschutzmitteln inzwischen praktisch überall in Spuren in
unserer Umwelt vor. Damit hat jeder eine gewisse Grundbelastung mit dieser Substanz. Der
Einsatz als Insektengift erfolgte oft in Form von Sprays, Streifen, Ameisenpulvern usw.
Chemikaliengesetz/ Gefahrstoffverordnung usw.:
Lindan ist eingestuft als giftig beim Einatmen, Verschlucken oder Berühren mit der
Haut. Lindan-haltige Materialien müssen gekennzeichnet sein mit diesem Hinweis sowie mit
dem Hinweis: Reizt die Augen und die Haut sowie 'Sehr giftig für Wasserorganismen'.
Orientierungswerte zur Beurteilung:
Hintergrundbelastung - Geringe Belastung - Deutliche Belastung:
- Luft: < 0,025 µg/ m3 < 0,25 µg/ m3 > 0,5 µg/ m3 *
- Hausstaub: < 0,1 mg/ kg > 0,2 mg/ kg > 1 mg/ kg *
- Holz: < 0,1 mg/ kg < 5 mg/ kg > 20 mg/ kg
Hintergrundbelastung: Mit diesen Werten ist durchschnittlich in einem
unbelasteten Umfeld zu rechnen. Diese kommen durch die allgemein in der Umwelt vorhandenen
Belastungen zustande.
Geringe Belastung: Bis zu diesen Werten besteht nach
derzeitigem Kenntnisstand kein Handlungsbedarf. Solche Werte können noch durch die
allgemeine Umweltbelastung erreicht werden. Diese Konzentrationen führen i.a. noch nicht
zu Beschwerden.
Deutliche Belastung: Sollten diese Werte erreicht oder
überschritten werden, besteht unmittelbarer Handlungsbedarf. Hier ist auf Dauer mit
gesundheitlichen Schwierigkeiten zu rechnen.
Wenn die gefundenen Werte zwischen geringer und deutlicher Belastung liegen,
können gesundheitliche Beschwerden bei chronischer Belastung nicht ausgeschlossen werden.
Dazu kommt wie bei allen Chlorkohlenwasserstoffen noch die Verunreinigung mit Dioxinen,
Furanen und anderen technischen Verunreinigungen, die unter Umständen toxischer als
Lindan sind und eine weitere Belastung darstellen.
Bedingt durch die recht gute Flüchtigkeit findet sich Lindan in belasteten Wohnungen
oft im Hausstaub, auf Textilien usw. Dadurch kann es durch direkten Kontakt oder durch
kontaminierte Lebensmittel zu einer Aufnahme in den menschlichen Körper kommen.
Symptome einer Lindan-Intoxikation:
Lindan ist ein Nervengift und führt über Funktionsstörungen des Nervensystems zum
Tod von Insekten. Beim Menschen zeigen sich folgende Symptome: Muskelschmerzen, Einfluß
auf das Knochenmark bis zur Schädigung, Einfluß auf die Blutbildung. Es kann zu
schweren Symptomen wie amyotrophe Lateralsklerose, Parkinsonismus und Multipler
Sklerose kommen. Der Einfluß auf das Immunsystem führt im Tierversuch zur Hemmung der
Antikörperbildung, bei Arbeitern in der HCH-Produktion wurden ca. 20% weniger Lymphozyten
gezählt. Lebererkrankungen können ebenfalls durch Lindan und Homologe hervorgerufen
werden. Symptome chronischer Belastung sind neben Abmagerung und Degeneration der Herz-
und Skelettmuskulatur auch fettige Degeneration von Milz und Leber sowie Leberschäden. In
einigen Fällen wurden allergische Reaktionen beobachtet. Die Leberkrebs-auslösende
Wirkung ist zur Zeit noch umstritten. Vermutlich wirkt Lindan als Tumor-Promotor. Die
Speicherung erfolgt vor allem im Fettgewebe, weniger ausgeprägt im Gehirn, der Leber und
im Blut. Die Ausscheidung erfolgt nach Metabolisierung über den Harn (versch.
Chlorphenole, Chlorbenzole).

© Schadstoffberatung Tübingen 10.05.2006 li
|