Schadstoffberatung Tübingen

Polychlorierte Biphenyle (PCB)

Beschaffenheit

Die Gruppe der polychlorierten Biphenyle (PCB) besteht theoretisch aus 209 Isomeren und homologen Verbindungen (Kongeneren). Sie alle sind, wie DDT oder Lindan, halogenierte Kohlenwasserstoffe und entstehen aus dem Grundstoff Biphenyl durch Einbau von Chlor. Die Kongenere unterscheiden sich in der Anzahl der Chloratome und deren Stellung im Molekül. Technische Produkte unterscheiden sich in der Toxizität und enthalten in der Regel hochgiftige Verunreinigungen, in erster Linie polychlorierte Dibenzofurane aber auch polychlorierte Naphtaline.

Polychlorierte Biphenyle sind je nach Chlorgehalt wasserklare bis gelbliche Flüssigkeiten bzw. Harze oder Pulver mit charakteristischem Geruch. Unter Pyrolysebedingungen entstehen bei 300 - 900° C in Anwesenheit von Sauerstoff Spuren von polychlorierten Dibenzofuranen und Dioxinen. PCBs besitzen einen niedrigen Dampfdruck, hohe Viskosität, Widerstandsfestigkeit gegen Oxidationsmittel, gute Wärmeleitfähigkeit sowie eine geringe elektrische Leitfähigkeit. Im Boden werden die PCBs noch langsamer als DDT abgebaut, die höher chlorierten überhaupt nicht. Diskutiert werden Halbwertzeiten zwischen zehn und 100 Jahren.


Verwendung

1929 wurde PCB erstmals technisch hergestellt und bis in die siebziger Jahre vielseitig in offenen Systemen verwendet:

  • als Schmierstoffe
  • als Zusatzstoffe oder Weichmacher für Lacke, Farben, Kunststoffe und Wachse
  • als Schneid- und Bohröl für die Metallbearbeitung
  • In Ölen für Gasturbinen und Vakuumpumpen
  • als feuerhemmendes Imprägniermittel in der Ekektroindustrie
  • in Silikon für Dehnfugen, Bewegungsfugen zwischen Betonfertigteilen,
    Anschlußfugen zwischen Fenstern und Türen, Sanitärfugen
  • als Zusatz von Wachsen, Kitten, Klebstoffen, Asphalt
  • als Flammschutzmittel für Lacke, Farben und Kunststoffe
  • als Flammschutzanstrich (Chlor-Kautschuk-Lack) von Holzfaserdeckplatten
  • als Zusatz in Textilien
  • in Druckfarben, Schalölen, Kopier- und Durchschreibepapier
  • In der Landwirtschaft als Träger für Insektizide und Pestizide

1972 wurde in Japan ein Produktions- und Importverbot ausgesprochen, nachdem es 1968 zu einer Massenvergiftung durch PCB-belastetes Reisöl gekommen war.

1976 wurde PCB in offenen Systemen vom Ministerialrat der EG verboten. Es durfte nur noch in geschlossenen Systemen eingesetzt werden:

  • in Wärmetauscheranlagen
  • in Isolier- und Kühlflüssigkeiten von Transformatoren
  • in Hydraulikölen im Untertagebau
  • als Dielektrikum in Kondensatoren
  • 1983 wurde die Produktion von PCB in der Bundesrepublik Deutschland eingestellt.
  • 1989 wurde die Anwendung verboten ( Ein striktes PCB-Verbot existiert in Wirklichkeit jedoch nicht, da chemischen Produkten weiterhin bis zu 50 mg/kg beigemengt werden dürfen).

Bis zum Jahr 2000 war eine Übergangsregelung für vorhandene PCB Produkte in Kraft.


Einfluß von PCBs auf die Umwelt

  • PCBs reichern sich überall in der Umweltmedien, insbesondere in der Nahrungskette, an.
  • PCBs werden in der Umwelt extrem langsam biologisch abgebaut.
  • Eine umfassende Beseitigung ist technisch problematisch und kostspielig.
  • Im Brandfalle können aus PCB`s große Dioxin-Mengen entweichen
  • PCBs verursachen chronische Toxizität beim Menschen

Krankheitsbilder beim Menschen

  • allgemeine Schwäche
  • Kopfschmerzen
  • Sehschwäche
  • Haarausfall
  • Schwächung des Immunsystems
  • Verhaltensänderungen
  • Wachstumsverzögerungen bei Kindern
  • Bildung von Lungenödemen
  • Schädigungen der Leberfunktionen
  • Chlorakne
  • Lidödeme
  • Überpigmentierung einzelner Hautpartien
  • Verfärbung von Finger- und Zehennägeln
  • chronische Bronchitis
  • erhöhte Krebsrate

Stoffwechselverhalten

Untersuchungen zur Nahrungsbelastung durch PCB beweisen, daß der Mensch PCB vorzugsweise durch tierische Nahrung (Fett, insbesondere Fisch) und nur im geringen Umfang durch Getreideprodukte aufnimmt. PCBs reichern sich im menschlichen Organismus im Fettgewebe, Knochenmark und weißer Gehirnsubstanz an. Innenraumexpositionen durch PCB wurden bekannt durch auslaufende Isolierflüssigkeiten aus elektronischen Bauteilen (z.B.Kondensatoren in Leuchtstoffröhren). PCB begegnen uns heue vorwiegend in Bauten aus den Jahren 1965 bis 1975. Hier sind die dauerlastischen Dichtungsmassen auf Polysulfid-Kautschukbasis (Thiokol) zwischen den Betonfertigteilen, zwischen Beton und Fenstern sowie Türen und im Sanitärbereich die Ausgasungsquelle.

Bei permanenter Aufnahme von PCB über Luft und Nahrung stellt sich ein für jedes Kongener konstantes Gleichgewicht zwischen dem Blut und einzelnen Gewebearten ein.

Inwieweit PCB-Blutanalysen geeignet sind, PCB-Raumluftbelastungen anzuzeigen, wurde geprüft. Während Belastungen von einigen 100 ng PCB/m³ von der dominierenden Belastung über die Nahrung überdeckt werden, konnte eine Raumluftkonzentrarion von ca. 20.000 ng/m³, über Wochen eingeatmet, im Blut nachgewiesen werden.


Richtwerte:

Werte bis 300 ng/ m³ sind unbedenklich.

Bei Gehalten zwischen 300 und 3000 ng/m³ soll die PCB-Quelle aufgespürt und nach Möglichkeit beseitigt werden.

Ab Werten von 3000 ng/m³ müssen Sanierungsmaßnahmen eingeleitet werden.


Sanierungsmaßnahmen

Wenn PCB als Weichmacher in dauerelastischen Fugen festgestellt wurde, müssen folgende (Sofort-)Maßnahmen ergriffen werden:

  • häufiges Lüften;
  • Staubbildung vermeiden ( keine Teppichböden, Vorhänge, grobe Tapeten);
  • nicht in PCB- beasteten Räumen schlafen;
  • oft nass wischen und mit Feinfiltern staubsaugen;
  • kontaminierte Innenausbaumaterialien entfernen und als Sondermüll entsorgen;
  • keine Lebensmittel in PCB-belasteten Räumen lagern.

Im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen müssen Kenntnisse vorliegen über:

  • PCB-Gehalte und Verteilung der Einzelkomponenten in der Raumluft;
  • Art, Verwendungsstellen, Zusammensetzung und Verteilug der Baustoffe;
  • Art, Umfang, PCB-Gehalte und Verteilung der Sekundärquellen (Wände, Fußböden, Decken, Mobilar).

Sanierungsmaßnahmen erfolgen als in sich geschlossenes Konzept vom Beginn der Arbeiten bis zur Entsorgung der Abfälle ensprechend der geltenden Regelungen (insbesondere PCB-Richtlinie und Gefahrstoffverordnung, aber auch Bauordnungs-, Arbeitsschutz- und Abfallrecht). Es sollen nur Firmen  beauftragt werden, die mit den Arbeiten, den dabei auftretenden Gefahren und den erforderlichen Schutzmaßnahmen vertraut sind und über die erforderlichen Geräte und Ausrüstungen verfügen.

Grundsätze der PCB-Sanierung:

  • Das Entfernen der Primärquellen ist Voraussetzung für einen dauerhaften Sanierungserfolg.
  • Die Behandlung von Sekundärquellen ist unumgänglich.
  • Bei hoher Ausgangskonzentration ist mit einem Beitrag zur Raumluftbelastung allein durch das sekundärkontaminierte Mobiliar von ca. 500 ng PCB/m³ Luft zu rechnen.
  • Die Vorgehensweise bei größeren Sanierungsvorhaben sollte durch eine Pilotsanierung auf ihre Effektivität hin geprüft und optmiiert werden.
  • Die Sanierungsarbeiten müssen mit äußerster Sorgfalt geplant und durchgeführt werden.
  • Eine (unkontrollierte) Freisetzung von kontaminiertem Staub während der Sanierungsarbeiten muss unberdingt vermieden werden.
  • Während der Sanierung sind begleitende Analysen unabdingbar.
    Der Zielwert von 300 ng PCB/m³ Luft wird bei hohen Ausganskonzentrationen meist nicht unmittelbar nach Abschluss der Sanierung erreicht.

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© Schadstoffberatung Tübingen   10.05.2006    li