Schadstoffberatung Tübingen

Welche Auswirkungen haben Klebstoffe auf die Gesundheit?

So vielfältig wie die Materialien zum Verkleben sind, sind auch die angebotenen Klebstoffe. Weltweit wurden bisher über 250.000 Klebstoffrezepturen für jeden erdenklichen Anwendungszweck entwickelt. Es gibt verschiedene Klebprinzipien. Der Klebevorgang erfolgt entweder durch das Verdampfen von Lösemitteln/Wasser oder die Klebeschicht bildet sich durch eine chemische Reaktion. Der größte Teil der Klebstoffe wird heute auf Erdölbasis produziert. Es gibt aber auch Naturklebstoffe, die überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen.

Vor Beginn der Arbeiten sollte man sich überlegen, ob das Kleben überhaupt erforderlich ist, da durch viele Inhaltsstoffe der Kleber die Gesundheit und auch die Umwelt geschädigt werden können. Häufig sind alternativ zum Kleben andere Lösungen möglich (z.B. Verspannen, Vernageln). 

Fast alle Klebstoffe bergen ein gesundheitsschädliches Potential. In einigen Klebstoffklassen sind organische Lösemittel enthalten, die hautentfettend wirken und aufgrund ihrer narkotisierenden Wirkung das Nervensystem angreifen und bei hohen Konzentrationen auch Nieren und Leber schädigen können. Die wasserverdünnbaren synthetischen Alternativen (Dispersionskleber, Leime, Kleister) kommen meist nicht ohne gesundheitsschädliche Konservierungsstoffe (z.B. Formaldehyd) aus. Weiterhin können während der Arbeit und auch noch über einen längeren Zeitraum hinweg Weichmacher und Monomere der Kunstharze ausgasen. Während des Klebevorgangs sind insbesondere die Reaktions-, Kontakt- und Sekundenkleber bedenklich. Viele Klebstoffe sind auch brennbar (Gefahrstoffsymbol Flamme auf orangefarbigem Quadrat).  


Gesundheitstipps:

  • Sorgen Sie während und nach der Arbeit für eine gute Durchlüftung der Räume.
  • Essen Sie nicht während der Arbeit und vermeiden Sie offene Flammen.
  • Beachten Sie die Gefahrenhinweise. Viele Klebstoffe sind als Gefahrstoff gekennzeichnet (orangefarbiges Quadrat mit schwarzem Symbol)
  • Arbeiten Sie bei entsprechendem Hinweis mit Schutzbrille und Handschuhen.

 

Kleine Klebstoffkunde - Auswahl der wichtigsten Klebstoffklassen

Klebstoffbeschreibung Anwendungsbeispiele
Leim - ist wasserlöslich und der Klebevorgang erfolgt über das Verdampfen von Wasser. Die Bindemittel können Kunstharze oder natürliche Stärke (Naturleim ohne Konservierungsstoff) sein. Weißleim ist ein Dispersionsleim auf Basis von dem relativ unbedenklichen Polyvinylacetat (PVAc) Holz und Holzwerkstoffe, Bastelarbeiten
Kleister - Tapetenkleister ist wasserlöslich und gesundheitlich weitestgehend unbedenklich. Naturprodukthersteller verwenden Zellulose-Kasein-Bindemittel. Synthetische Kleister bestehen aus chemisch veränderten Zelluloseverbindungen und enthalten meist Konservierungsstoffe. Tapeten, Bastelarbeiten
Dispersionsklebstoffe - sind wasserlöslich und enthalten bis zu 5% Lösemittel. Der Klebevorgang erfolgt über das Verdampfen der Lösemittel und von Wasser. Naturprodukte enthalten Naturlatex als Binde- und Terpene (mögliches Allergiepotential) als Lösemittel. Die Erdölprodukte basieren auf Kunstharzen. Problematisch sind hier die ausgasenden Lösemittel, Weichmacher (bis zu 5%), Konservierungsstoffe und Monomere (Acrylate). Parkett, Teppichbelag, Linoleum, Polyolefinböden
Kontaktkleber - enthalten kleine Mengen an Lösemitteln, Bindemittel (Synthesekautschuk, Polyurethane) und Metalloxide. Beide zu klebenden Flächen werden mit dem Klebstoff eingestrichen, die Lösemittel verdampfen und die abgelüfteten Klebeflächen werden zusammengedrückt. Problematisch sind z.B. die ausgasenden Lösemittel und die Isocyanate. Kunststoffe, Holz, Filz, Gummi, Metall, Kork, Weichschaumstoff, Leder
Reaktionskleber - sind Zweikomponentenkleber mit einem Binder und einem Härter. Diese bilden durch eine chemische Reaktion die Klebeschicht. Sekundenkleber gehören auch in diese Kategorie. Das Kleben erfolgt hier in wenigen Sekunden. Reaktionskleber enthalten keine Lösemittel, aber gesundheitsschädliche Verbindungen, wie z.B. Epichlorhydrine (aus Epoxydharzen) und Isocyanate (aus Polyurethanen). Stahl, Beton, Hartschäume, Teppichböden, Gummibeläge, Fliesen, Kunststoffe, Metall
Schmelzkleber - enthalten keine Lösemittel. Über die Zufuhr von Hitze (Elektropistole - ca. 200°C) werden die Klebstoffe geschmolzen und verbinden die Flächen beim Erkalten. Basis können Ethylenvinylacetat (EVA), Polyolefine oder Polyurethane (Emission von Isocyanaten) sein. PVC-Böden, Linoleum, Kunststoffe, Möbelbau, Metalle, Leder
Fliesenkleber - sind Spezialkleber auf Zementbasis. Zementprodukte können Haut und Augen reizen und evtl. enthaltene Chromate sind als krebs- und allergieauslösend eingestuft (Maurerkrätze). Der Dünnbettmörtel enthält Kunstharze. Naturprodukte enthalten Naturkautschuk als Bindemittel. Fliesen

 

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© Schadstoffberatung Tübingen   11.05.2006    li